Museum Johannes Reuchlin
Stätte des europäischen Humanismus an der Evang. Schloß- und Stiftskirche St. Michael
DAS MUSEUM
Das Museum Johannes Reuchlin
Das Museum Johannes Reuchlin wurde im Jahr 2008 als Ort zur Erinnerung an den europäischen Humanisten, Juristen, Hebraisten und Menschenrechtler Johannes Reuchlin (1455–1522) eröffnet.
Das Ausstellungsgebäude trat nach Plänen des Hamburger Architekten Professor Bernhard Hirche an die Stelle des kriegszerstörten Reuchlinkollegs.
Die Freunde der Schloßkirche e. V. initiierten den Bau des Ausstellungsgebäudes und unterstützen dessen Betrieb.
Betreiber des Museums ist das Kulturamt der Stadt Pforzheim.



Das Museum Johannes Reuchlin eröffnet Einblicke in Werk und Wirkung eines europäischen Humanisten, der in der Renaissancezeit lebte und für die Menschenrechte der bedrohten Minderheit der Juden eintrat.
Die Ausstellung erstreckt sich über vier vertikale Ebenen: Herkunft, Leben, Werk und Wirkung.
Als Teil des Museums zugänglich ist der Stiftschor der Schloßkirche mit der Klanginstallation „Genesis“ als Hommage an Johannes Reuchlin. Zur Klanginstallation
Im Stiftschor außerdem sehenswert: Die Grablege der badischen Markgrafen mit Grabmonumenten aus der Renaissancezeit. Zur Grablege



Wer war Johannes Reuchlin?
Johannes Reuchlin (1455-1522)


Sein figürliches Denkmal steht seit 1995 am Schloßberg nahe der Schloßkirche. Das städtische Museum mit seiner zweisprachigen multimedialen Ausstellung (deutsch/englisch) lädt dazu ein, den berühmten Sohn der Stadt zu entdecken, dessen Botschaft der Toleranz bis heute aktuell ist.
Reuchlins Zeitgenossen rühmten Reuchlin als vielsprachigen Humanisten und »Schutzherren der Freiheit«. Dieser Rechtsgelehrte und Staatsmann brachte die Renaissance nach Deutschland, schrieb im Vorfeld der Reformation die erste hebräische Sprachlehre und rief Christen, Juden und Muslime zum Dialog auf.
Reuchlin trat vor 500 Jahren als Erster für die Menschenrechte einer bedrohten Minderheit ein: Als Rechtsgelehrter und Staatsmann sah er die Juden als Mitbürger und kämpfte mit seinem Buch »Augenspiegel« (1511) öffentlich gegen die Verbrennung des Talmud und der hebräischen Literatur: Viel Schlimmes könnte daraus entstehen, wenn wir ihre Bücher verbrennen würden. Papst Leo X verbot ihm daraufhin das Wort, bezeichnete Reuchlins Vision als Gefahr für die Christenheit (1520).



Museum Johannes Reuchlin, Begleitbuch zur Ausstellung
Der Stiftschor
Die Klangsinstallation
Als Teil des Museum Johannes Reuchlin ist der Stiftschor der Schloßkirche zugänglich.
Dieser Raum bietet mehrere Highlights:
- die spätgotische Chorschranke (Lettner)
- die Deckengewölbe aus spätgotischer Zeit
- die Grablege der badischen Markgrafen
- die Farbglasfenster des Künstlers Charles Crodel
- die Klanginstallation »Genesis« als musikalisches Raumerlebnis

Die Klangsinstallation »Genesis« – Musik als Botschaft des Dialogs
»Lasst die heiligen Gesänge der Juden am Schwarzwald erklingen!«

Die Klanginstallation »Genesis« verbindet jüdischen Kantorengesang mit Klängen der weltlichen Motette. Als musikalisches Crossover ist das Werk Ausdruck von Reuchlins Plädoyer für Toleranz und kulturellen Pluralismus – eine Botschaft, die heute aktueller denn je erscheint. Reuchlin, der Visionär und Wegbereiter eines Dialogs der Religionen, präsentierte den Christen erstmals synagogale Musik und wagte zugleich den Schritt zur polyphonen Performance.

Die Klanginstallation »Genesis« beruht auf einer Vokalkomposition, die die preisgekrönte chilenische Musikerin Catalina Vicens 2016 im Auftrag der Stadt Pforzheim als Hommage an den berühmten europäischen Humanisten für das Museum Johannes Reuchlin schuf. Das Werk wurde weltweit an diversen Orten aufgeführt.
Der Komposition liegt jene Notation zugrunde, die Reuchlin als Anhang zu seiner Sprachlehre »Die Schreibweise und Artikulation der hebräischen Sprache« (De Accentibus et Orthographia Linguae Hebraicae) 1518 in der damals üblichen Notenschrift veröffentlichte. In der Tenorstimme präsentierte er damit erstmals Klangbeispiele des jüdischen Kantorengesangs.
Catalina Vicens hat ihrer Komposition die hebräischen Anfangsworte des biblischen Schöpfungsmythos im 1. Buch Mose unterlegt, hebräisch בְּרֵאשִׁית(Bereschit), altgriechisch Γένεσις (Genesis):

Die vier Lautsprecher entsprechen den vier Gesangsstimmen: Diskant (Sopran), Alt, Tenor (Kantorenstimme), Bass.
Der Stiftschor der Schloßkirche bietet den passenden räumlichen Rahmen: Er diente zu Reuchlins Zeit als Versammlungsort des Stiftsherrenkollegiums St. Michael, bevor er 1556 profaniert und zur Grablege der badischen Markgrafen umgewandelt wurde.
Besuch
Museum Johannes Reuchlin
Adresse
Museum Johannes Reuchlin
Stätte des europäischen Humanismus
an der Evang. Schloß- und Stiftskirche St. Michael
Schloßberg 14
D-75175 Pforzheim
Betreiber des Museums ist das Kulturamt der Stadt Pforzheim.
Museumsseite der Stadt Pforzheim
Ganzjährig geöffnet
Montag, Mittwoch
Sonntag
14-17 Uhr
12-17 Uhr
Gruppenführungen
Nach Vereinbarung über die Tourist-Information Pforzheim:
07231 393700
Für Schulklassen über Kulturelle Bildung, Kulturamt Pforzheim:
07231 392079
