Impressionen

Kunst + Kirchengeschichte
Evang. Schloß- und Stiftskirche St. Michael

Seit mehr als 800 Jahren gibt es dieses geschichtsträchtige Gotteshaus. Früher war es eingebettet in eine historische Altstadt. Die Stationen der Kunst- und Kirchengeschichte sind hier in Kurzform erzählt.

WESTBAU UND EINGANGSPORTAL

Um 1150 – Los geht es mit dem romanischen Westbau und seinem Portal.

Zeitgleich wird zu Füßen der Burg und der zugehörigen Schloßkirche St. Michael die mittelalterliche Stadt Pforzheim in staufischer Zeit planmäßig angelegt.

DER KIRCHENRAUM

Um 1220-1320 – Durch Heirat kommt die Stadt Pforzheim um 1220 an die Markgrafen von Baden. Das verleiht dem Kirchenbau einen kräftigen Schub: Die Kirchenhalle mit seitlichen Umgängen (=Basilika) wird in Stilformen der Gotik eingewölbt und um 1320 durch drei östliche Chorräume sowie die Nordkapelle erweitert.

GRABSTEINE

1275-1592 – Der Reichtum an Grabplatten und Grabdenkmälern veranschaulicht die lange Nutzungsgeschichte dieses Gotteshauses: Adlige und Kanzler erhalten dort ein Begräbnis, Geistliche und Stiftsangehörige, wohlhabende Bürger und Zunftmitglieder, aber auch der zugewanderte Zigeuner Johann von Kleinägypten…

DER STIFTSCHOR

Um 1470 – Die Markgrafen fördern das Bildungswesen, die Lateinschule bringt berühmte Schüler wie Johannes Reuchlin und Philipp Melanchthon hervor. Um das Gelehrtenstift St. Michael einzurichten, wird in spätgotischen Stilformen der Stiftschor mit Chorschranke (Lettner) und Südsakristei errichtet. Die Pläne dazu liefert Hans Spryß von Zaberfeld, der markgräfliche Baumeister.

DAS MITTELALTERLICHE BILD

Um 1640 – Der Kupferstecher Matthäus Merian hält das mittelalterliche Aussehen der Stadt Pforzheim im Bild fest. Herausgehoben sind die Türme von Burg (G) und Schloßkirche (H) auf der Anhöhe des Schloßberg.

REFORMATION UND UMWIDMUNG ZUR GRABLEGE

1556 – Markgraf Karl II. lässt in Pforzheim die Kirchenreformation einführen, als Folge verliert die Schloßkirche ihre Funktionen als Stifts- und Pfarrkirche. Stattdessen wird der Stiftschor zur Grablege der markgräflich-badischen Familie umgestaltet und mit prächtigen Grabdenkmälern in Stilformen der Renaissance ausgeschmückt.

RESTAURIERUNG IM 19. JAHRHUNDERT

1789-1881 – Die Schloßkirche wird 1789 erneut zur Pfarrkirche. Auf Initiative der badischen Großherzöge erhält sie im Laufe des 19. Jahrhunderts eine Ausstattung im Stil des Historismus. Die benachbarten Gebäude des Schlosses werden hingegen abgebrochen.

DIE KRIEGSZERSTÖRUNG

23. Februar 1945 – Innenstadt und Schloßkirche werden im Verlauf des Zweiten Weltkriegs durch einen schweren Luftangriff ruiniert, fast 18.000 Menschen verlieren ihr Leben.

DER WIEDERAUFBAU

1946-1957 – Die Freunde der Schloßkirche schließen sich zu einer bürgerlichen Stiftung zusammen und rufen zur Rettung der Baudenkmale auf. Das Staatliche Hochbauamt Nordbaden organisiert den Wiederaufbau der Schloßkirche nach denkmalpflegerischen Grundsätzen.

DIE BRONZETÜREN AM WESTPORTAL

1957 – Zur Wiedereinweihung des Gotteshauses stiften die Freunde der Schloßkirche das moderne Bronzeportal, ein Werk des renommierten Bildhauers Jürgen Weber. Im Zentrum des Bildwerks steht der Erzengel Michael als Namenspatron der Kirche.

DAS GLOCKENGELÄUT

1958 – Die Freunde der Schloßkirche rufen die Bürgerschaft zur Stiftung der Glocken auf: „Friede sei ihr erst Geläute“.

DIE KIRCHENFENSTER

1959-1963 – Die Freunde der Schloßkirche rufen die Bürgerschaft zur Stiftung der modernen Farbglasfenster auf, die in drei Zyklen nach künstlerischen Entwürfen von Klaus Arnold (in der Kirchenhalle), Valentin Feuerstein (in den seitlichen Chorräumen) und Charles Crodel (im Westbau und im Stiftschor) realisiert werden.

DAS MUSEUM FÜR JOHANNES REUCHLIN

2008 – Die Freunde der Schloßkirche e. V. sorgen für den Wiederaufbau des Reuchlinkollegs als Erinnerungsstätte für den bekannten, aus Pforzheim gebürtigen europäischen Humanisten Johannes Reuchlin (1455-1522). Den Ausstellungsraum des Museums entwirft der Architekt Bernhard Hirche.

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NATURSTEINSANIERUNG UND SONNENUHREN

2015-2017 – Das Land Baden-Württemberg veranlasst als Eigentümerin eine umfassende Sanierung der Natursteinfassaden. Die Freunde der Schloßkirche e. V. sorgen für die Wiederherstellung der schmückenden Sonnenuhren an historischer Stelle am Westbau.

DIE CITYKIRCHE

2017 – Der Innenraum wird behutsam umgestaltet, die Entwürfe dazu liefern der Architekt Werner Sandhaus (Freiburg i. Breisgau) und der Lichtplaner Matthias Friedrich (Karlsruhe). Seitdem lädt die Schloßkirche St. Michael als Ort der ökumenischen Citykirchenarbeit zum Besuch ein (tagsüber geöffnet von April bis Oktober).

DIE ORGELRENOVIERUNG

Ab 2016 – Ein neu gegründeter Förderverein für die musisch-kulturelle Bildung an der Schloßkirche sammelt Spenden für die Renovierung der Steinmeyer-Orgel von 1957. Die Zeichnung des Architekten Werner Sandhaus veranschaulicht das vorgesehene Bild des Orgelprospekts.

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